Umziehen mit Hartz IV – Welche konkreten Kosten übernimmt das Amt?

Umzugskartons, Spedition, Mietkaution, Handwerkerleistungen, neue Einrichtungsgegenstände – ein Umzug bringt viele Kosten mit sich und ist in der Regel eine teure Angelegenheit. Gerade für Empfänger von Hartz IV sind dies zusätzliche Ausgaben, die man sich eigentlich nicht leisten kann.

Doch mit triftigen Umzugsargumenten und einer guten Vorbereitung werden viele Umzugskosten von der zuständigen Arbeitsagentur übernommen.

Wir erklären dir, in welchen Fällen dir eine Kostenübernahme durch das Jobcenter zusteht, welche Kosten konkret übernommen werden können und worauf du achten musst.

In welchen Fällen werden die Kosten für deinen Umzug übernommen?

Das Arbeitsamt übernimmt nur dann die Kosten für deinen Umzug, wenn es diesen als notwendig ansieht.

Anerkannte Umzugsgründe sind:

  • Die Agentur für Arbeit hat dir einen Wohnungswechsel nahegelegt, weil die Größe deiner bisherigen Wohnung und/oder die Höhe der Miete als unangemessen eingestuft werden.
  • Eine veränderte Familien- bzw. Lebenssituation, wie zum Beispiel Scheidung, Trennung, Heirat oder Familienzuwachs, sorgt dafür, dass du eine größere oder kleinere Wohnung benötigst.
  • Deine bisherige Wohnung wird dir von Seiten deines Vermieters gekündigt und diese Kündigung ist nicht durch dich und dein Wohnverhalten verschuldet.
  • Du nimmst eine neue Arbeit auf und der Arbeitsweg ist unzumutbar (sprich: eine tägliche Fahrtzeit von 2,5 Stunden wird überschritten).
  • Deine bisherige Wohnung wird aufgrund deines Alters oder einer Erkrankung unzumutbar, weil sie zum Beispiel nicht barrierefrei gebaut/eingerichtet ist oder keinen Fahrstuhl hat.
  • Deine bisherige Wohnung ist aufgrund ihres Zustandes unbewohnbar (zum Beispiel durch Schimmelbefall, defekte Heizung etc.) – allerdings wird dieser Grund nur anerkannt, wenn du 1. nicht für diesen schlechten Zustand verantwortlich bist und 2. dein Vermieter sich weigert, den Schaden zu beheben.

In diesen Fällen wird die Agentur für Arbeit sämtliche oder einen Teil deiner Umzugskosten übernehmen. Kläre mit deinem zuständigen Sachbearbeiter unbedingt vor Unterzeichnung eines Mietvertrages und selbstverständlich auch vor deinem Umzug, ob er den Wohnungswechsel als erforderlich und somit förderfähig einschätzt.

Wurden die Umzugskosten nicht im Vorwege schriftlich bewilligt, kann das Amt die Erstattung verweigern – und du läufst Gefahr, dass du die gesamten Umzugskosten alleine übernehmen musst.

Was solltest du bei der Wahl der Wohnung berücksichtigen?

Auch wenn das Arbeitsamt den Grund für deinen Umzug anerkennt, so ist dir die finanzielle Unterstützung nur eingeschränkt sicher. Die Agentur für Arbeit hat genaue Vorstellungen davon, welche Wohnungsgröße und welche Miete für einen Single, ein Paar oder für eine Kleinfamilie angemessen sind.

Dabei gibt es allerdings keinen festen Mietsatz, sondern die als angemessen geltende Miethöhe richtet sich nach den lokalen Gegebenheiten bzw. dem örtlichen Mietspiegel.

Natürlich kann dich das Arbeitsamt im Prinzip nicht dazu zwingen, eine kleine und günstige Wohnung zu beziehen. Allerdings wird sie dir nur die Miete zahlen, die sie als angemessen betrachtet – alle Mietkosten, die darüber hinausgehen, musst du dann aus deinem Regelsatz bezahlen.

Auch auf die Übernahme der Umzugskosten kannst du dich in solchen Situationen nicht immer verlassen – am besten klärst du deinen individuellen Fall vorab mit deinem Sachbearbeiter.

Finanzielle Unterstützung bei den Umzugskosten

Wurde dein Grund für den Wohnungswechsel vom Arbeitsamt anerkannt und dir der Umzug in die neue Wohnung bewilligt, kannst du einen Antrag auf Erstattung der Umzugskosten stellen. Die Agentur für Arbeit finanziert im Normalfall nur selbst organisierte Umzüge, die mit privaten Umzugshelfern durchgeführt werden.

Ein Umzugsunternehmen wird nur in den seltensten Fällen genehmigt, zum Beispiel dann, wenn du nachweislich (zum Beispiel aus körperlichen und gesundheitlichen Gründen) nicht in der Lage bist, den Umzug alleine durchzuführen. In diesem Fall wird das Be- und Entladen des Umzugsgutes sowie der Transport durch ein Umzugsunternehmen finanziert.

Voraussetzung ist allerdings, dass du dich selbstständig um mehrere Kostenvoranschläge von professionellen Speditionen kümmerst und diese dem Arbeitsamt vorlegst. Die Übernahme dieser Kosten ist aber eine Ausnahme.

Bist du körperlich gesund, übernimmt das Arbeitsamt in der Regel nur die Kosten für die Umzugskartons und für den Umzugswagen sowie eine Pauschale für die Verpflegung der Umzugshelfer. Diese liegt bei ungefähr 50 Euro. Bei Bedarf wirst du auch bei der Sperrmüllentsorgung finanziell unterstützt.

Für den Umzugswagen musst du rechtzeitig und selbstständig mehrere (in der Regel mindestens drei) Angebote bei Umzugsunternehmen bzw. Autovermietungen einholen und diese bei der Agentur für Arbeit einreichen. Diese Angebote dienen dann als Berechnungsgrundlage.

Bei vergleichbaren Leistungen muss immer das günstigste Umzugsunternehmen gebucht werden, da die Ausgaben für den Umzug so gering wie möglich zu halten sind.

Häufig bietet dir das Arbeitsamt eine Umzugspauschale an. Eine Pauschale bedeutet oftmals auch für dich den geringeren Arbeitsaufwand, kann allerdings auch dazu führen, dass nicht alle Kosten abgedeckt werden.

Berechne anhand deiner Kostenvoranschläge für den Umzugswagen sowie den zu erwartenden Kosten für Umzugskartons, Benzin etc., ob es nicht lukrativer wäre, eine Einzelabrechnung zu beantragen.

Finanziell nicht unterstützt wirst du hingegen beim Packen der Kartons und beim Auf- und Abbau deiner Möbel. Falls du das nicht alleine schaffst und auch keine privaten Helfer dafür findest, musst du die Umzugshelfer/Möbelpacker aus eigener Tasche bezahlen. Hier empfiehlt es sich, Studenten anzuheuern, die oftmals für wenig Geld dazu bereit sind, mit anzupacken.

Übernahme der Renovierungskosten

Wenn du in eine neue Wohnung ziehst, in der Renovierungsarbeiten notwendig sind, um die Wohnung in einen bewohnbaren Zustand zu bringen, dann muss dich das Arbeitsamt dabei finanziell unterstützen.

Da eine Renovierung zum Einzug nicht zu den so genannten Schönheitsreparaturen zählt und auch nicht als Instandhaltungsmaßnahme gewertet werden kann, musst du diese Ausgaben nicht von deinem Regelsatz bezahlen.

Voraussetzung ist allerdings, dass die aktuelle Lage auf dem Wohnungsmarkt es nicht zulässt, dass du dich auch für eine voll renovierte Wohnung entscheiden könntest. In diesem Fall wäre – bei vergleichbaren Mietkosten – immer der renovierten Wohnung Vorrang zu geben. Die Kosten für die Renovierung sind so gering wie möglich zu halten und müssen genauestens nachgewiesen und auch begründet werden.

Auch für vertraglich vorgeschriebene Renovierungsarbeiten bei Auszug aus der alten Wohnung kannst du eine Pauschale beantragen. Bist du nachweislich (Attest) aus körperlichen und gesundheitlichen Gründen nicht dazu in der Lage, die Arbeiten selber durchzuführen, kannst du eine Kostenübernahme für Handwerkerleistungen beantragen.

Voraussetzung ist, dass du mehrere Angebote einholst und diese dem Arbeitsamt als Berechnungsgrundlage vorlegst. In den meisten Fällen werden aber nur die Materialkosten übernommen.

Mietkaution als Darlehen beantragen

In fast allen Wohnungen wird mit Unterzeichnung des Mietvertrages eine Mietkaution fällig. Diese liegt in der Regel bei drei Monatskaltmieten – viel Geld, das man gerade bei einem kostenintensiven Wohnungswechsel selten zur Verfügung hat.

Das Arbeitsamt unterstützt dich deshalb mit einem zinsfreien Darlehen, das es direkt an den Vermieter überweist. Du musst dieses Darlehen in Höhe der Mietkaution erst zurückzahlen, wenn sich deine Einkommenssituation verbessert hat und du finanziell dazu imstande bist. Dann liegt der Tilgungssatz bei circa 10 % deines Regelbedarfs.

Selbstverständlich musst du das Darlehen auch vollständig zurückzahlen, wenn das Mietverhältnis endet und du die Kaution von deinem Vermieter zurückerhältst – auch dann, wenn dein Vermieter einen Teil der Kaution aufgrund von Mietschäden, die du verursacht hast, einbehält.

Kostenübernahme für Erstausstattung

Im Normalfall erhalten Hartz IV-Empfänger, die jünger als 25 Jahre sind und noch im Elternhaus leben, weder Umzugs- noch Wohngeld. Nur bei schwerwiegenden Gründen (wie z.B. einer Schwangerschaft, unerträglichen Familienverhältnissen oder eines unzumutbar langen Anfahrtsweg zur neuen Arbeitsstelle) stimmt das Arbeitsamt einem Auszug in eine eigene Wohnung zu und übernimmt einen großen Teil der Umzugskosten.

In diesem Fall kann außerdem ein Antrag auf Erstausstattung gestellt werden. Dazu gehören unter anderem Möbel, Geschirr, Bettwäsche und andere Dinge, die für die komplette Einrichtung der Wohnung unentbehrlich sind.

Auch Hartz VI-Empfänger, die älter als 25 Jahre sind, können diese Erstausstattung beantragen, wenn sie in ihrer bisherigen Wohnung zum Beispiel eine Einbauküche oder eine Waschmaschine zur Verfügung hatten, die als Zusatzleistungen in den Mietkosten enthalten waren, und dieses Inventar in der neuen Wohnung fehlt.

Die Kosten hierfür werden nicht vom Regelsatz abgezogen, sondern werden gesondert bezahlt. Es kann sich dabei um Geld- aber auch um Sachleistungen handeln. Häufig erhält man auch einen Bezugsschein über eine gewisse Summe, auf dem vermerkt ist, für welche Haushaltsgeräte und/oder Möbel der Schein – in der Regel in Sozialkaufhäusern – eingelöst werden soll.

Übernahme von Doppelmieten

Selten ist es realisierbar, dass Mietende der alten und Mietanfang der neuen Wohnung auf denselben Tag fallen. Das Arbeitsamt erwartet allerdings von dir, dass du wirtschaftlich planst und dir eine Wohnung suchst, bei der die Überschneidungszeit nur von sehr kurzer Dauer ist.

Wenn es dir nachweislich nicht möglich ist, trotz aller Anstrengungen eine Doppelmiete zu vermeiden, übernimmt das Arbeitsamt in Ausnahmefällen die Bezahlung der Miete für beide Wohnungen. Dies wird jedoch nach Einzelfall entschieden und ist nur sehr selten der Fall.

Sonderfall: Zwangsumzug auf Wunsch des Arbeitsamtes

Betrachtet die Agentur für Arbeit deine bisherige Wohnung hinsichtlich Größe und Miethöhe als nicht angemessen, so wird sie dir nahe legen, dir eine kleinere und kostengünstigere Wohnung zu suchen.

In der Regel hast du sechs Monate lang dafür Zeit, dieser Bitte nachzukommen – so lange zahlt dir das Arbeitsamt weiterhin die volle Miete. Ziehst du innerhalb dieser Frist um und fügst dich somit dem Wunsch nach einem Wohnungswechsel, so werden viele Umzugskosten zum großen Teil vom Arbeitsamt übernommen.

Neben den üblichen Kosten für Umzugskartons und Transporter kannst du in diesem Sonderfall eines Zwangsumzuges auch die Kostenübernahme für Maklercourtage (falls zwingend notwendig) und die Kaution als Darlehen, das nach Mietende zurückgezahlt werden müsste, sowie eine finanzielle Unterstützung für die Wohnbeschaffungskosten (Wohnungsinserate, Fahrtkosten zur Wohnungsbesichtigung, Telefonate etc.) beantragen.

Eine weitere Sonderregelung gilt, wenn bei deinem Zwangsumzug etwas kaputt geht oder Teile deines Mobiliars beschädigt und somit unbrauchbar werden. Dann hast du Anspruch auf eine neue Grundausstattung und das Arbeitsamt muss die Kosten für die Neubeschaffung übernehmen.

Das gilt allerdings nur, wenn die Möbel wirklich beschädigt wurden, und nicht, wenn sie von Größe oder Aussehen nicht mehr in deine neue Wohnung passen.

Bewilligung des Umzugs unerlässlich

Noch einmal möchten wir darauf hinweisen, dass du die aufgeführten Kostenübernahmen nur beantragen kannst, wenn dir der Umzug in deine neue Wohnung im Vorwege schriftlich vom Arbeitsamt bewilligt wurde.

Auf keinen Fall solltest du einen Mietvertrag unterzeichnen oder einen Vertrag mit einem Umzugsunternehmen abschließen, solange der Wohnungswechsel von Seiten des Arbeitsamtes nicht anerkannt wurde.

Nachträglich eingereichte Umzugskosten werden grundsätzlich nicht erstattet. Wichtig ist es außerdem, dass du alle Kostenvoranschläge, Quittungen und Nachweise – vom Transporter über Umzugskartons bis hin zu der Supermarktrechnung für die Verpflegung der Umzugshelfer – gründlich verwahrst und bei Bedarf vorzeigen kannst.

Nur so kannst du dir sicher sein, dass das Arbeitsamt dir die Kostenerstattung nicht verweigert und du am Ende nicht für sämtliche Umzugskosten alleine aufkommen musst.