Das Jobcenter

„Fördern und Fordern“, so lautet das Motto des Jobcenters. Die Einrichtung führt die Grundsicherung für Arbeitssuchende, besser bekannt als Hartz IV, durch und soll Arbeitslosen Perspektiven zum Wiedereinstieg in den Job bieten. Die Jobcenter betreuen ausschließlich die ALG 2-Bezieher.

Wenn Du dort Leistungen beziehst und einen Umzug planst, musst Du Dich melden. Zum einen zur Information über Deine neue Wohnadresse, aber auch, weil die Einrichtung eine Art „Mitspracherecht“ hat, wenn es um Deinen Umzug geht.

Die Aufgaben des Jobcenters

Jobcenter sind lokal für jeweils eine bezirksfreie Stadt oder ein Kreisgebiet zuständig. Die Ämter gewähren Leistungen zum Lebensunterhalt, die sogenannte Grundsicherung.

Beziehst Du ALG 2, dann sind die Jobcenter Ansprechpartner für Deinen Wiedereinstieg ins Berufsleben. Besteht ein Sonderbedarf, zum Beispiel weil Du schwanger oder alleinerziehend bist, kannst Du Leistungen für Mehrbedarf zusätzlich beantragen.

Weiterhin kannst beim Jobcenter Förderungen für berufliche Weiterbildung oder Eingliederungszuschuss auf Antrag erhalten. Über das Jobcenter sind auch kommunale Leistungen abgedeckt. Dazu gehören zum Beispiel psychosoziale, Suchtberatung oder Schuldnerberatungen.

Die Grundsicherung

Das ALG II wird für einen Zeitraum von sechs Monaten gewährt und monatlich im Voraus ausgezahlt. Als Grundsicherung setzt es sich aus der Regelleistung und angemessenen Kosten für Heizung und Unterkunft zusammen.

Bei der Berechnung spielt es eine Rolle, ob Du alleine, in der Familie oder innerhalb einer anderen „Bedarfsgemeinschaft“ lebst, denn nicht nur Dein Einkommen bzw. Vermögen wird berücksichtigt, sondern auch das Deiner Mitbewohner. Neben der Familie zählen auch eheähnliche Gemeinschaften und eingetragene Lebenspartnerschaften zur Bedarfsgemeinschaft.

Meistens übernimmt das Jobcenter auch die Kosten für Deine gesetzliche Krankenversicherung und die Pflegeversicherung. Für die Rentenversicherung gelten die Zeiten, in denen Du ALG 2 beziehst als Anrechnungszeit.

Leistungen für Mehrbedarf

Reicht die Grundsicherung aus bestimmten Gründen für Deinen Lebensunterhalt nicht aus, kannst Du zusätzliche Leistungen beantragen.

Anerkannt werden in der Regel folgende Fälle:

  • Schwangerschaft (17 % des Regelbedarfs ab der 13. Schwangerschaftswoche)
  • Alleinerziehend (12 bis 60 % vom Regelbedarf je nach Alter und Anzahl der Kinder)
  • Menschen mit Behinderung (35 % des Regelbedarfs)
  • Besondere und notwendige Ernährung (10 bis 20 % des Regelbedarfs)
  • Laufender Bedarf in speziellen Härtefällen
  • Dezentrale Warmwassererzeugung

Dass bei Dir ein Mehrbedarf vorhanden ist, musst Du dem Jobcenter schlüssig nachweisen und schriftlich beantragen. Vorher hast Du in der Regel ein Gespräch mit Deinem Sachbearbeiter beim Jobcenter, der mit Dir den Fall bespricht und Deinen Antrag prüft.

Kritik am Jobcenter

Das Jobcenter steht immer wieder in der Kritik, jüngst sogar vom Bundesrechnungshof. Nach einer Prüfung ist die Arbeit dort zumindest teilweise ineffizient, auch der Erfolg der Förderprogramme wird angezweifelt.

Der Kostenaufwand für die Förderung und Weiterbildung ist hoch, die erworbenen Kenntnisse verpuffen leider nur allzu oft ungenutzt, da sie am Bedarf vorbeigehen. Kritiker stellen häufig auch den gesamten Sinn von Hartz IV in Frage, da sich seit der Einführung die Chancen für die Bezieher nicht maßgeblich verbessert hätten.

Ein besonders wichtiger Aspekt: Die Reformen hätten einen einschüchternden Aspekt, der wiederum zur Folge hat, dass Arbeitnehmer niedrigere Einstiegsgehälter akzeptieren, um dem Schicksal Hartz IV zu entgehen.

Das Jobcenter beim Umzug

Das Jobcenter unterstützt Deinen Umzug finanziell, wenn es sich um einen berufsbedingten oder um einen unbedingt notwendigen Umzug handelt.

Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn Familienzuwachs sich anmeldet oder sich Deine Familienverhältnisse anderweitig ändern, eine Krankheit besondere Anforderungen ans Wohnen stellt oder der Vermieter Dir ohne Dein eigenes Verschulden kündigt.

Damit das Jobcenter Deinen Umzug finanziell unterstützt, musst Du bereits vor Unterzeichnung des Mietvertrages bei Deinem Sachbearbeiter vorsprechen und Dir den Umzug genehmigen lassen. Denn die Behörde hat ein Mitspracherecht – zumindest dann, wenn es die Umzugskosten tragen soll.

Grundsätzlich kannst Du natürlich auch ohne die Zustimmung des Amtes umziehen. Dann werden allerdings keine Umzugskosten übernommen. Auch hinsichtlich des Wohngeldes kann das Nachteile haben: Findet das Jobcenter Deine neue Wohnung zu groß, wird weiterhin nur das vorher gewährte Wohngeld gezahlt.

Umzugskosten beim Jobcenter beantragen

Damit das Jobcenter die Kosten für Deinen Umzug übernimmt, bzw. Dich finanziell unterstützt, musst Du den Antragsweg einhalten.

Finanziert werden normalerweise nur die Kosten, die bei einem privat durchgeführten Umzug entstehen, dazu gehören Ausgaben für Verpackungsmaterial, den Umzugstransporter, eine Helferpauschale und eventuell Materialkosten für die Wohnungsrenovierung.

Mietkaution oder Genossenschaftsanteile für Deine neue Wohnung werden als Darlehen gewährt, das Du monatlich tilgen musst.

Für die Antragstellung selbst musst Du folgende Punkte besonders beachten:

  • Informiere das Jobcenter so früh wie möglich von Deinen Umzugsplänen.
  • Bringe die nötigen Unterlagen mit, um die Notwendigkeit Deines Umzuges zu belegen.
  • Für den Antrag benötigst Du in der Regel drei konkrete Kostenvorschläge über die Ausgaben, die für Deinen Umzug zu erwarten sind.
  • Stelle den Antrag auf Kostenübernahme für Deinen Umzug schriftlich und begründe darin nochmals die Notwendigkeit des Umzuges wie zum Beispiel Arbeitsaufnahme, Scheidung, Familienzuwachs oder Krankheit.

Eingliederungsleistungen und Mobilitätshilfen

Eine wichtige Aufgabe des Jobcenters ist es, ALG 2 Bezieher auf dem ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln.

Dazu werden verschiedene finanzielle Hilfen gewährleistet.

Die Eingliederungsleistungen ermöglichen es Dir, überhaupt eine Arbeit aufzunehmen, zum Beispiel durch die Erstattung von Bewerbungskosten und Fahrtkosten zu Vorstellungsgesprächen, Fahrtkosten zwischen Arbeitsstelle und Wohnort oder Arbeitskleidung und Arbeitsgerät.

Diese Leistungen erhältst Du, ebenso wie die Mobilitätshilfen nur auf Antrag und zu bestimmten Bedingungen.

Weiterhin gibt es Eingliederungs- und Beschäftigungszuschüsse für die Arbeitgeber, die Dich als Arbeitnehmer attraktiver machen sollen. Die Zuschüsse werden über einen bestimmten Zeitraum bis zu 36 Monaten gewährt und betragen 50 % der Lohnkosten.

Sonstige Leistungen und freie Förderung durch das Jobcenter

Neben den finanziellen Leistungen hat das Jobcenter verschiedene Beratungsangebote zu bieten. Auch der Erwerb eines Führerscheins oder die Unterstützung der häuslichen Pflege von Angehörigen gehört zu den sonstigen Eingliederungsleistungen.

Schließlich gibt es noch die freie Förderung, mit der der Sachbearbeiter im Jobcenter spezielle Leistungen für Dich beantragen und gewähren kann. Die Leistungen werden aufgrund der Beurteilung des Sachbearbeiters im rechtlichen Rahmen nach dessen Ermessen gewährt.

Kein Anspruch auf ALG 2?

Wird Dein Antrag auf ALG 2 abgelehnt, zum Beispiel weil Du Deine Bedürftigkeit nicht nachweisen kannst, bist Du auch nicht kranken- oder pflegeversichert und es werden Dir keine Meldezeiten beim Rentenversicherungsträger angerechnet.

Dennoch kannst Du einmalige Leistungen beantragen, zum Beispiel für die Erstausstattung Deiner Wohnung, die Erstausstattung für Bekleidung oder für orthopädische Schuhe.

Kannst Du zwar Deinen eigenen Bedarf über Dein Einkommen abdecken, nicht aber den Deiner Kinder, dann kannst Du einen Kinderzuschlag von 140 Euro monatlich beantragen. Der wird durch die Familienkasse auf Antrag ausgezahlt.

Bei einer Ablehnung Deines Antrages für ALG 2 kannst Du trotzdem bei Anspruch Wohngeld erhalten. Den Antrag solltest Du möglichst gleich nach Deiner Ablehnung stellen.