Das Finanzamt

Das Finanzamt ist zuständig für die Verwaltung von Steuern, deren Festsetzung und auch die Eintreibung. Finanzämter sind Landesbehörden und für alle Steuerangelegenheiten zuständig, die nicht in den Verantwortungsbereich des Bundes, der Bundesfinanzbehörden oder der Gemeinde sind.

Berührungspunkte entstehen bei der Erstellung der Steuerbehörde, wenn Du selbständig bist, dann laufen auch Umsatzsteuererklärungen über diese Behörde. Beim Umzug musst Du auch das Finanzamt informieren.

Anders als bei vielen anderen Ämtern gibt es jedoch hierbei keine strengen Fristen. Du kannst Dir hier Zeit bis zur nächsten Steuererklärung lassen.

Die Struktur der Finanzbehörden

Die Finanzverwaltung oder Steuerverwaltung in Deutschland ist Teil der öffentlichen Verwaltung und zwischen Bund und Ländern aufgeteilt. Die oberste Behörde ist das Bundesministerium der Finanzen, eine Stufe tiefer stehen die Landesfinanzbehörden als oberste Behörden.

Anschließend folgen in der Hierarchie die Oberfinanzdirektionen und schließlich die Finanzämter als örtliche Behörden. Außer Zöllen und Verbrauchssteuern (das liegt im Aufgabenbereich der Zollverwaltung) ist das Finanzamt für die meisten Steuern zuständig, Ausnahmen hiervon sind kommunale Steuern wie zum Beispiel die Hundesteuer.

Auch die Grundsteuer für Wohneigentum, die Zweitwohnungssteuer oder die Gewerbesteuer für Unternehmen sind kommunal. Der Aufbau der gesamtdeutschen Finanzverwaltung folgt dem Finanzverwaltungsgesetz und lehnt sich immer noch stark an den Entwurf aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts.

Die Aufgaben des Finanzamtes

Die Verwaltung der Steuern ist die Hauptaufgabe des Finanzamtes. Je nach Deinem Einkommen wird für Dich eine bestimmte Steuer festgesetzt, Du erhältst einen Bescheid und musst dann je nach Festsetzung entweder Steuern nachzahlen oder erhältst eine Rückzahlung, wenn Du zu viel Steuern entrichtet hast.

Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Du nach Abitur oder Arbeitslosigkeit einen neuen Job angetreten hast und der Arbeitsbeginn mitten im Kalenderjahr liegt. Die angesetzte Steuer wird aufgrund Deines Einkommens monatlich berechnet und abgeführt, machst Du eine Einkommenssteuererklärung, dann wird die gezahlte Steuer jedoch auf das komplette Jahr verteilt und Du hast in der Regel zu viel bezahlt.

Sind Dir die Steuerangelegenheiten zu kompliziert, kannst Du übrigens für vergleichsweise geringe Beiträge in den Lohnsteuerhilfeverein eintreten und Dich dort bei allen Steuerangelegenheiten unterstützen lassen. Dieses Angebot steht Dir allerdings nur dann offen, wenn Du sozialversicherungspflichtig angestellt bist.

Für Selbständige und Freiberufler bleibt nur der Gang zum Steuerberater. Die Kosten kannst Du als Betriebsausgaben (bei Angestellten als Werbungskosten) von der Steuer absetzen.

Steuereintreibung durch das Finanzamt

Auf Grundlage Deiner Steuererklärung erstellt das Finanzamt einen Steuerbescheid, der an Dich übersandt wird. Du hast – für den Fall, dass Du Steuern nachzahlen musst – vier Wochen für die Überweisung Zeit. Innerhalb dieses Zeitraums hast Du die Möglichkeit, Widerspruch einzulegen, wenn Du mit dem Bescheid nicht einverstanden bist.

Kannst Du die Steuern nicht sofort bezahlen, dann hast Du die Möglichkeit, mit Deinem Sachbearbeiter einen Aufschub oder eine Stundung zu vereinbaren. Wichtig ist es auf jeden Fall sich zu melden.

In der Regel findet sich dann eine Lösung, mit der das Finanzamt an Deine Steuern kommt, Du aber keine weiteren Sanktionen außer eventuell anfallenden Säumniszuschlägen befürchten musst.

Zahlst Du kommentarlos nicht innerhalb der Mahnfrist, dann geht das Amt in die Vollstreckung. Steuerschulden können sich sehr unangenehm auswirken, soweit solltest Du es also nicht kommen lassen. Neben der Einkommenssteuer treibt das Finanzamt auch den Solidarbeitrag sowie die Kirchensteuer ein.

Steuererklärung beim Finanzamt – Muss das sein?

Bist Du fest angestellt, dann wird Deine Steuer direkt vom Arbeitgeber an das Finanzamt abgeführt.

Eine Steuererklärung musst Du in diesem Fall grundsätzlich nicht unbedingt abgeben, das macht nur Sinn, wenn Du eine Rückzahlung erwartest, zum Beispiel aufgrund hoher Fahrtkosten, doppelter Haushaltsführung oder ähnlicher Gründe.

In verschiedenen Fällen bist Du allerdings verpflichtet zur Abgabe:

  • Du bist Unternehmer oder Freiberufler.
  • Du erhältst Lohnersatzleistungen wie Elterngeld oder Kindergeld von mehr als 410 Euro pro Monat.
  • Du erhältst Dein Gehalt von verschiedenen Arbeitgebern.
  • Du hast steuerpflichtige Extraeinkünfte von mehr als 410 Euro pro Monat.
  • Du oder Dein Ehepartner beziehen ein Gehalt und sind in Steuerklasse V oder VI eingetragen.
  • Du (oder Dein Partner bei gemeinsamer Veranlagung) erhältst Freibeträge.
  • Du oder Dein Expartner haben nach einer Scheidung neu geheiratet.
  • Deine Einkünfte liegen über dem Grundsteuerfreibetrag.

Gibst Du Deine Steuerklärung freiwillig ab, zum Beispiel, weil Du aufgrund hoher Werbekosten eine Rückerstattung erwartest, dann ist erst mal keine Eile angesagt. Das Finanzamt gibt Dir dafür vier Jahre Zeit.

Meist lohnt sich der Aufwand. Laut Statistischem Bundesamt zahlt das Finanzamt im Durchschnitt 873 Euro zurück.

Wohnsitzfinanzamt und Betriebsstättenfinanzamt

Hinsichtlich der Zuständigkeit gibt es beim Finanzamt zwei wichtige Kriterien. Als Wohnsitzfinanzamt wird das Amt bezeichnet, dass für den Bezirk zuständig ist, in dem Du Deinen Wohnsitz hast. Dort musst Du Deine Einkommenssteuererklärung abgeben.

Hast Du mehrere Wohnsitze, dann gilt der, den Du als Deinen Hauptwohnsitz gemeldet hast. Diese Adresse ist dann auch auf Deiner Lohnsteuerkarte vermerkt.

Als Betriebsstättenfinanzamt wird das Finanzamt bezeichnet, in dessen Bezirk Du als Arbeitgeber Deine Betriebsstätte hast. Hier wird die Lohnsteuererklärung Deiner Mitarbeiter abgegeben, auch die Lohnsteuer, die Du als Chef einbehältst läuft an diese Behörde.

Auch die Umsatzsteuer und alle weiteren betrieblich anfallenden Steuern werden hier gemeldet und abgeführt. Arbeitest Du zum Beispiel im Home Office oder hast Deine Firma in Deinem Wohnhaus untergebracht, dann entspricht das Wohnsitzfinanzamt dem für Deine Betriebsstätte.

Finanzamt und Umzug

Für das Finanzamt ist es nicht erforderlich, dass Du Dich direkt nach Deinem Umzug meldest, es sei denn, Du wartest gerade auf einen Steuerbescheid oder weitere Post vom Amt. Je nachdem, ob Du innerhalb Deines Finanzamtbezirks umziehst oder wechselst, reicht eine Adressänderung aus oder Du meldest Dich bei Deinem aktuellen Amt ab.

Das geht zum Teil schon online, für diesen Fall solltest Du unbedingt Deinen Namen, Deine Steuernummer sowie die neue Anschrift angeben. Viele Ämter akzeptieren auch eine Ummeldung per Telefon.

Persönlich erscheinen brauchst Du also in keinem Fall. Um bei einem Umzug auf Nummer sicher zu gehen, kannst Du einen Postnachsendeantrag stellen. Dann entgeht Dir auch wichtige Finanzamtpost nicht und Du bist immer up to date, an welchen Stellen Du Dich noch ummelden musst.

Dem neuen Finanzamt musst Du Deine Adresse nicht extra melden. Dass Du in den Einzugsbereich gezogen bist, wird dem Amt spätestens bei Deiner nächsten Steuererklärung – in der auch Deine aktuelle Adresse steht – ohnehin mitgeteilt. Das spart Dir einen extra Ämtergang nach dem ohnehin stressigen Umzug.